Fassaden, Portale und Kapitelle im Südwesten Frankreichs


Bordeaux - die Kirche Sainte-Croix


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Überall in Bordeaux spürt man die reiche Vergangenheit und ist gleichzeitig von der Moderne fasziniert - die Straßenbahn, eine der modernsten Europas, fährt im Zentrum ohne Oberleitung! Keine Drähte und Masten verschandeln so die Stadtarchitektur. Und Stadtbilder verändern sich: Paul Abadie hat im 19. Jahrhundert die Fassade der Kirche Ste-Crox gründlich überarbeitet. Ob es ihm gelungen ist, wird unterschiedlich bewertet. Doch urteilen Sie selbst.

Im Pflaster vor der Kirche ist eine Tafel eingelassen, auf der man Näheres erfährt. Stendhal beschrieb 1838 die Fassade unausgewogen als ein Dreieck, da links der Turm fehlte.

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Église Sainte-Croix. Bordeaux, le 23 mars 1838. Troisième jour de pluie par vent d'oueste... La facade de Sainte-Croix, fort curieuse, a presque la forme d'un triangle; elle est fort élevée à droite, et fort basse à gauche. A la droite du spectateur s'élève une tour à trois étages... Église pleine d'onction si l'on peut ainsi parler; son antiquité, son air à demi détruit par le temps lui ouvrent sur-le-champ le coeur de celui qui la voit.
C'est ainsi que Stendhal décrit léglise Sainte-Croix élevée au XIe siècle et maintes fois remaniée depuis. En 1862, l'architecte Paul Abadie supprime le "triangle", le remplace par une facade régulière et unifiée, ajoute une tour à la gauche du "spectateur"... Il fait disparaître la rosace gothique et le fronton classique, et dessine un tympan dans le style de celui de la cathédrale d'Angoulême. Il installe finalement Saint Georges terrassant le dragon dans la grande niche... Il fait de Sainte-Croix une église à la manière "roman"... (Text: Infotafel vor der Kirche im Boden eingelassen)
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Paul Abadie ergänzte 1862 links den Turm, ersetzte die gotische Fensterrose durch ein "romanisches" Tympanon im Stil der Kathedrale von Angoulême und fügte die Figur des hl. Georg in die große Nische ein. Im Innern der Kirche finden wir weitere Informationen zur Geschichte und auch eine Abbildung der Fassade vor den umfangreichen Restaurierungen durch Abadie.

Infotafel (Ausschnitte) im Innern
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Die Kirche soll in ihrem Ursprung auf die Zeit Chlodwigs zurückgehen, auch sollen sich die Überreste des hl. Mommolenus oder Mommolin (gest. 643) hier befunden haben. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen zuerst mit den Arabern im 8. bis hin zum 10. Jahrhundert mit den Normannen wurde Sainte-Croix immer wieder zerstört oder beschädigt. Der heutige Bau stammt im Kern aus dem 11. Jahrhundert. Die reiche Fassadengestaltung ist in das 12. Jh. zu datieren.

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Details des Hauptportals von Ste-Croix in Bordeaux


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Schauen wir uns die Westfassade und vor allem das Hauptportal etwas genauer an: Trotz der Veränderungen durch Paul Abadie im 19. Jahrhundert dürften große Teile des plastischen Schmucks der Archivolten ursprünglich sein.

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Fünffach ist das prächtige Portal gestuft, die eingestellten Säulen im Gewändes tragen reich verzierte Kapitelle mit pflanzlichen und figürlichen Motiven. Die abgeschrägten Ecken zwischen den Säulen sind ebenfalls reich geschmückt.

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Es lohnt sich, die Archivolten des Hauptportals genauer zu betrachten. Im vierten Bogen (von innen gezählt) werden die Tierkreiszeichen und die verschiedenen Tätigkeiten während des Jahreskreislaufes dargestellt. Im äußeren, fünften Bogen drängeln sich die Ältesten der Apokalypse mit ihren Musikinstrumenten und Kelchen; sie müssen sich gehörig verrenken, damit alle hineinpassen. Es sind weit mehr als 24.

Darstellungen im 4. Bogen
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Darstellungen im 5. Bogen
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Details am linken und rechten Scheinportal


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Beim Durchschreiten des Hauptportals werden all jene, die jahrein jahraus friedlich ihrem Tagewerk nachgehen, durch die Ältesten der Apokalypse an das Jüngste Gericht gemahnt. Noch mehr Mahnung erfolgt allerdings an den beiden seitlichen Scheinportalen: Links hängen hässliche Teufel den Geizhälsen (einem hängt schon die Zunge aus dem Hals) schwere Geldsäcke um, rechts verbeißen sich eklige Schlangen in gewisse Körperteile langhaariger Frauen, denen die nebenstehenden Teufel dabei noch allerlei einflüstern...
Es handelt sich um die Todsünden Gier und Geiz auf der rechten Seite und um die Wollust links.

Details am linken Scheinportal
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Details am rechten Scheinportal
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Bemerkenswert sind auch die Kapitelle an der Westfassade, links vom Hauptportal befindet sich ein besonders schönes:

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Auch im Innern der Kirche sind in den Kapitellen Zeugnisse der romanischen Bildhauerkunst erhalten. Gehen wir also hinein!

Romanische Kapitelle im Innern von Sainte-Croix


Sainte-Croix ist eine dreischiffige Basilika mit Querhaus und mit direkt im Osten daran anschließender Chorapsis sowie zwei Nebenapsiden.

Im Innern von Sainte-Croix
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Abrahams Opfer
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Abrahams Opfer
An den Mittelschiffswänden befinden sich acht romanische Reliefs in Medaillonform. Sie zeigen Figuren (Stifter?), die ein Kirchenmodell in den Händen halten. Den eigentlich Schatz aber bilden die romanischen Kapitelle im Innern. Drei figürliche Kapitelle sind besonders hervorzuheben: Die Darstellung des Abrahamsopfers an der südlichen Wand des Seitenschiffs zum Querhaus, Jesus mit seiner Familie bei den Gelehrten im Tempel sowie Daniel in der Löwengrube an den Vierungspfeilern zur Chorapsis links bzw. rechts.

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Links: Jesus mit seiner Familie bei den Gelehrten im Tempel
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Rechts: Daniel in der Löwengrube

Doch es gibt noch weit mehr Kapitelle in Ste-Croix und mindestens ebenso schöne Konsolen...

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Kapitelle und Konsolen im Innern
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Kapitelle, Kapitelle...
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Details der Westfassade

Wieder im Außenbereich, werfen wir noch einen zweiten Blick auf die Westfassade, denn die sie gliedernden Säulen werden ebenfalls durch phantasiereiche Kapitelle geschmückt. Die Figuren in den Arkadennischen, der Drachentöter Georg sowie Christus in der Mandorla mit den umgebenden Evangelistensymbolen sind Ergänzungen des 19. Jahrhundert.

Hl. Georg, Kapitelle und Konsolen an der Westfassade
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Christus, Propheten und Apostel an der Westfassade
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Die antike Stadt Burdigala soll schon im 3. Jahrhundert vor der Zeitrechnung von einem gallischen Stamm besiedelt worden sein. Später kamen die Römer (Cäsar!), die Vandalen, die Westgoten, selbst Wikinger waren auch mal kurz vor Ort. Eine wichtige Epoche in der langen Geschichte ist die Zeit der Königin Eleanor von Aquitanien, die 1137 in der Kathedrale St-André in Bordeaux den französischen Thronfolger und späteren König Ludwig VII. heiratete. Aus der romanischen Bauperiode sind neben der Kirche Saint-Croix noch die Basilika Saint-Seurin erhalten, in der man ebenfalls hervorragende romanische Kapitelle besichtigen kann. Und dann erst der wunderbare Wein... Am besten ist es, man fährt selbst hin! Doch wir verlassen jetzt das Bordelais, bleiben in der Saintonge jedoch in der Nähe.
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nach Chadenac