Fassaden, Portale und Kapitelle in der Saintonge (Frankreich)


St-Martin in Chadenac


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St-Martin in Chadenac
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Westfassade von St-Martin, Chadenac
Immer wieder wird man von dem Phantasiereichtum der alten Baumeister in der Saintonge begeistert, auch die ehemalige Prioratskirche in Chadenac bildet da keine Ausnahme. Ihre Fassadengestaltung gehört zweifellos zu den schönsten und besonders eindruckvollsten Leistungen in dieser Region.

Portalzone

Die Westfassade ist dreigeteilt, im unteren Bereich finden wir ganz klassisch im Zentrum das Hauptportal, flankiert von zwei Scheinportalen.

Portalzone in Chadenac
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Hauptportal
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Hauptportal (Detail), Chadenac
Das Hauptportal ist ein echter Hingucker: Je sieben Säulen links und rechts tragen sieben reich dekorierte Archivolten. Die achte Säule verbindet das Hauptportal mit den seitlichen Scheinportalen. Leider sind viele Skulpturen und Details durch Verwitterung oder Zerstörung nicht mehr deutbar, doch wird die Fassade ganz allgemein durch das Thema Kampf zwischen "Gut und Böse" oder "Tugend und Laster" beherrscht.

Gut gegen Böse - Tugenden und Laster

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Christus in der Mandorla
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Archivolten des Hauptportals
Schauen wir uns die teils heftige Auseinandersetzung etwas näher an.
Der Sieger steht allerdings schon fest: Im Scheitel der ersten und zweiten Archivolte übergreifend wird Christus in der Mandorla mit einer Krone dargestellt.

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Die erste Archivolte (gezählt wird immer von innen nach außen) enthält vier leider sehr verwitterte Figuren, die nicht mehr zugeordnet werden können. Einfacher ist die Bestimmung der Szenerie bei der zweiten Archivolte, hier kämpfen die mit Schild und Lanzen versehenen "Tugenden" mit den hässlichen und missgebildeten "Lastern", die sich zu ihren Füßen winden.

<-- Missgestaltetes Laster

"Kampf gegen das Böse", Chadenac
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Märtyrer
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Märtyrer


Die dritte Archivolte führt uns vier besonders Glaubensfeste (also Gute) vor Augen, sie tragen einen Heiligenschein, auch die Werkzeuge (Schwert, Axt), mit denen die Märtyrer zu Tode kamen, sind teilweise noch erkennbar.
Gruselig sind die Darstellungen in der vierten Archivolte: hier kämpfen Menschen mit Monsterwesen, die wohl direkt der Hölle entsprungen sind. Wir sehen, wie sich Monster mit spitzen Zähnen in einen  menschlichen Leib verbeißen oder mit ihren Krallen auf dem Kopf sitzen.

"Kampf gegen das Böse"
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Kluge und törichte Jungfrauen

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Christus in der Himmelspforte
Die fünfte Archivolte zeigt im Scheitel wieder Christus, diesmal mit weit ausgebreiteten Armen vor der Himmelspforte. Links (also rechts von ihm aus gesehen) streben die klugen Jungfrauen zur offenen Tür. Sie tragen ihre Öllampen nach oben gerichtet, denn sie hatten vorgesorgt und rechtzeitig Öl aufgefüllt. Anders die Törichten: ihre Lampen sind leer, kraftlos lassen sie die Lampen sinken, mit jammernder Gebärde schlagen sie sich an die Köpfe... Für sie wird die Pforte verschlossen sein.

"Kluge und törichte Jungfrauen"
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Lindwürmer, Echsen, Drachen?
In der sechsten Achivolte tummeln sich seltsame, Echsen ähnliche Fabelwesen, die wohl wiederum das Böse verkörpern.

In der siebente Archivolte werden Menschen dargestellt, die irgendetwas tun oder halten. Einer von ihnen hält ein Spruchband, ein anderer ein Buch, auch ein Heiligenschein ist erkennbar. Leider ist der Erhaltungszustand nicht sehr gut, eine Interpretation ist schwierig. Wahrscheinlich sind es aber die Guten, die das Geschehen kommentieren und zum Schluss triumphieren...

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Scheinportale und Skulpturen


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Die Archivolten der seitlichen Scheinportale sind ebenfalls geschmückt, diesmal aber hauptsächlich mit Ornamenten und pflanzlichen Motiven. Darüber hinaus befinden sich an den Scheinportalen größere Reste von Figurengruppen, deren Bedeutung aber nicht mehr zu bestimmen ist. So erahnen wir im linken Scheinportal eine Person, die auf einem Drachen/Echse (?) steht, während die Drachen/Echsen (?) im Tympanon offenbar jemanden erwischt haben. Über den Archivolten belauern zwei Tiere, ein Hund und ein Löwe, ein Schaf.

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Auch auf den Säulen, welche die Portale rahmen, befinden sich Figuren, leider ebenfalls stark beschädigt. Doch lassen wir unserer Phantasie Lauf: Vielleicht hat ja (links) der tapfere Ritter den bösen Drachen besiegt und die schöne Prinzessin (rechts) in ihrem tollen langärmeligen Kleid aus seinen schrecklichen Klauen befreit?

Romanische Kapitelle


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"Säulenfresser"
Phantasiereich gestaltet sind die Kapitelle an den Portalsäulen: Wir finden die mittelalterliche Schreckensmischwelt, Vogel- und Katzenkopf tragende Fabelwesen, Echsen oder Drachen, die sich verkrallen und mit den Schwänzen verknoten.

Am linken Scheinportal begegnen wir einem "Säulenfresser", dessen Anblick selbst die schlimmsten Dämonen so schreckte, dass sie flugs das Weite suchten (Apotropäik).
  

Romanische Kapitelle an der Westfassade
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Meine absoluten "Lieblinge" sind aber die folgenden Kapitelle, die inzwischen nahezu Wahrzeichencharakter für Chadenac haben:

Romanische Kapitelle an der Westfassade
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Noch ein weiteres schönes Kapitell befindet sich an der Südwestecke. Wird hier, um die Ecke herum, die Geschichte von den heiligen drei Königen, die das neugeborene Kind besuchen, erzählt? So könnte man im ersten Moment annehmen. Aber nein, da ist ja gar kein Kind - es handelt sich tatsächlich um die drei Frauen, die das leere Grab entdecken. Nur ein Engel ist noch hier. Christus ist auferstanden! Ein Symbol der Hoffnung! Dabei hat der Bildhauer detailreich verschiedene Architekturmotive mitverarbeitet.

Kapitellfries an der Südwest-Ecke
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Wird fortgesetzt...
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nach Echebrune