Portal, Bestiensäule und Kapitelle der ehemaligen Abteikirche Saint-Marie in Souillac


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Ste-Marie in Souillac
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Bereits von außen bietet die Ostansicht der ehemaligen Abteikirche Sainte-Marie in Souillac einen bemerkenswerten Anblick. Doch um einen der absoluten Höhepunkte romanischer Skulptur bewundern zu können, muss man sich hineinbegeben. Denn in der wechselvollen Geschichte der Abtei kam es immer wieder zu Zerstörungen und zum Wiederaufbau in veränderten Formen, und so gelangten im 17. Jahrhundert schließlich die Reste des romanischen Portals (und wahrscheinlich auch Stücke aus der Vorhalle) an die westliche Innenseite der Kirche.


Die Bestiensäulen von Souillac


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Innenportal mit Bestien-
säule (rechts)
Bestiensäulen sind selten und etwas Besonderes. Hier in Souillac handelt es sich bei der großen Bestiensäule um den ehemaligen Mittelpfeiler (Trumeau) des Portals, dessen drei Schauseiten im gesamten Schaft mit der Darstellung von Tieren und Menschen versehen ist.

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Bestiensäule, Detail
Der erste Eindruck ist verwirrend. Doch bei längerer Betrachtung erschließt sich ein Grundmuster: An der Frontseite stehen paarweise jeweils viermal ein Löwe und ein Greif kreuzförmig übereinander, die Köpfe nach innen gewendet. Ihre Mäuler verbeißen sich in von oben nach unten stürzende Kreaturen. Zuoberst wird ein nackter Mensch attackiert, der Greif beißt ihn mit seinem harten Schnabel in die Seite, der Löwe hat den Kopf des armen Menschen bereits im Maul. Es ist der Höllensturz der verdammten Welt.

Bestiensäule
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Bestiensäule:
Details der Vorderseite
Bild "Souillac3_03.jpg"   Die bildhauerische  Komposition der  Bestien-
   säule und die über das Relief  hinausgehende
   tiefe Ausarbeitung der Skulpturen setzen höch-
   ste Meisterschaft der Steinbearbeitung voraus.
Bild "Souillac3_05.jpg"   Der Trumeau  trug sehr  wahrscheinlich ein
   ebenfalls bildkünstlerisch gestaltetes Tympa-
   non, das vielleicht eine Darstellung des jüng-
   sten Gerichts enthielt.




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An der linken Seite des Pfeilers schaut ein Engel von oben aus den Wolken auf das  dramatische Geschehen unter sich, dort saust nämlich sein "Kollege" mit unglaublicher Geschwindigkeit senkrecht nach unten, um die Opferung des Isaak im allerletzten Moment zu verhindern. Vater Abraham hat das Messer in der rechten Hand schon erhoben, die linke hält den Sohn fest am Haarschopf...


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Bestiensäule:
Details der linken Seite
   
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Bild "Souillac3_08.jpg"   Der Engel fällt Abraham in den Arm,    
   um die Opferung seines Sohnes    
   Isaak zu verhindern. Zum Glück   
   hat der Engel ein neues Opfertier   
   bei der Hand ...    


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Bestiensäule:
Details der rechten Seite





   Auf der gegenüberliegenden rechten   
   Pfeilerseite werden drei Menschenpaare   
   dargestellt, die sich umarmen und dabei   
   leicht unterscheiden: Jeweils einer scheint 
   offenbar älter (mit Bart) zu sein, sein    
   Gegenüber ist deutlich jünger. Ob die bei-   
   den oberen miteinander kämpfen, mag    
   der Betrachter selbst entscheiden, auch   
   bei den mittleren weiß man nicht recht,    
   ob sie freundlich oder feindlich gesinnt   
   sind, doch die beiden unteren umarmen   
   sich ganz offensichtlich freundschaftlich,   
   die linke Figur lächelt sogar.    
   Wird am Ende doch noch alles gut?   
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Details am Fuß der Bestiensäule (links, vorn und rechts)


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Die "kleine" Bestiensäule:

Neben der bekannten große Bestiensäule ist ein Teil einer zweiten Bestiensäule erhalten geblieben und ebenfalls an der Westwand eingefügt. Hier haben sich Greif und Löwe in ein Lamm oder einen Widder verbissen, möglicherweise ein Symbol für den Opfertod Christi.



Der "tanzende" Jesaja von Souillac


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Der Prophet Jesaja
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Es ist eines der ganz großen Meisterwerke der romanischen Skulptur: Scheinbar entrückt bewegt sich der Prophet Jesaja tänzerisch spielerisch am Stein. In den Händen hält er eine Schriftrolle, sein Körper im fein ziselierten Gewand ist in sich verdreht, die Beine sind voreinander gestellt, die Bartsträhnen stehen radial ab - ist das Verzückung? Möglich, denn Jesaja hat neben der Verkündigung aller möglichen Strafgerichte auch eine große Botschaft: Er prophezeit einen zukünftigen Messias aus dem Hause David. Jesaja nennt den Retter der Menschheit "Immanuel" und mit ihm soll dann auch eine neue Zeit anbrechen - eine Welt voll Frieden und Gerechtigkeit.

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Der Bildhauer meißelte die Figur des Jesaja außerordentlich detailreich: Bart- und Haarsträhnen sind wellenförmig, geradezu flammenartig gestaltet, das verzierte Gewand bauscht sich in der Bewegung wild auf, der ganze Körper ist in seiner unmöglichen Verdrehung von extatischer Bewegtheit durchdrungen. Das ist kein irdisches Tanzen mehr, das ist rauschhafte göttliche Offenbarung!


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Jesaja, Fußstellung und Gewand-
borte
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"Im Stein materialisiert der Künstler (...) die abstrakte Vorstellung von etwas Höherem und führt gerade darin die romanische Kunst zu ihrere Vollendung. Deren Ziel nämlich ist es in allen ihren Äußerungen auf dem Wege über die sinnliche Wahrnehmung zu einem Verstehen übersinnlicher Phänomene zu führen." (1, Torsten Droste, Julia Hennings)

Die Figur des Jesaja befindet sich heute innen rechts vom Eingangsportal, ihr ursprünglicher Standort ist nicht bekannt. Es ist denkbar, dass sie in Verbindung mit einem Weltgerichtszyklus am Portal oder an einer Seitenwange aufgestellt war.

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Links neben dem Eingangsportal befindet sich eine weitere Figur, es handelt sich um den Apostel Paulus. Die Skulptur ist leicht beschädigt und zeigt nicht die hohe künstlerische Meisterschaft des Jesaja.

(1) Thorsten Droste, Julia Hennings: Frankreich, Der Südwesten, DuMont Kunstreiseführer, DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2012


Die Legende des Theophilus


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Über dem heutigen Innenportal ist ein großes Relief angebracht, das die im Mittelalter beliebte Geschichte des Theophilus erzählt. Theophilus hatte einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, doch er bereut und wird dank der Hilfe Marias davon befreit. Das Relief zeigt die Geschichte in drei Teilen: Links besprechen Theophilus und der Teufel die Bedingungen des Paktes, rechts legt Theophilus zur Bekräftigung seine Hände in die des Teufels (das ist das übliche Ritual für einen "Lehnseid") doch von oben nahen sich Maria und Engel bereits dem schlafenden Sünder, um ihn wieder vom Vertrag zu lösen. Zwei weitere Figuren, Petrus und Benedikt, begleiten rechts und links das Geschehen.

Theophilus-Relief
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Kapitelle im Innenraum


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Innenansicht nach Osten
Der einschiffige Innenraum beeindruckt durch seine klare Rhythmisierung, wozu vor allem die drei Kuppeln beitragen. Zwei Kuppeln überspannen das Langhaus, die dritte Kuppel wölbt sich über der Vierung. Kräftige Wandpfeiler tragen die Kuppeln und gliedern gechzeitig die Flächen. Im Querhaus und im Chorbereich schmücken Kapitelle die Wandvorlagen.
Ein Kapitell zeigt eindeutig die Verkündigungsszene - der Engel überbringt Maria die Botschaft, dass sie schwanger ist. Warum aber bei anderen Kapitellen die Menschen ihre Hände in die Mäuler wilder Bestien legen, dass lässt sich wohl nicht so einfach mehr ergründen...

Kapitelle und Konsolen in Souillac
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