Fassaden, Portale und Kapitelle in der Saintonge (Frankreich)


Portal und Kapitelle der Kirche Ste-Radegonde in Talmont (Gironde)


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Ste-Radegonde (Ansicht von W)
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Ste-Radegonde (Ansicht von O)
Die aus dem 11. und 12. Jahrhundert stammende Kirche Ste-Radegonde liegt spektakulär auf einer Felsklippe hoch über der Girondemündung - und beim Betrachten der von Wind und Wetter gezeichneten Außenmauern ahnt man, welche dramatische Rolle die Naturgewalten von jeher an diesem Ort spielten.
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Ste-Radegonde, got.
Westportal
Im 14. Jahrhundert hat ein verheerendes Hochwasser den Felsen beschädigt und die westlichen Teile des Kirchenschiffes zum Einsturz gebracht. Eine Stützmauer sichert jetzt das Plateau, die einfache Westfassade mit dem gotischen Portal wird von zwei mächtigen Strebepfeilern gestützt.

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Ste-Radegonde (Ansicht von N)
Als Schaufassade dient die dem Land zugewandte Seite des nördlichen Querhausarmes. Die Wandfläche ist horizontal in zwei Bereiche gegliedert: Sieben Blendarkaden schmücken den oberen Bereich, der untere Bereich wird von der Portalzone eingenommen. Hier kommt wieder die in der Region typische Gestaltung der romanischen Portale zur Geltung - das zentrale Hauptportal wird von zwei Scheinportalen flankiert.


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Ste-Radegonde, Portalzone

Archivolten des Hauptportals


Die drei Archivolten des Hauptportals bestehen jeweils aus einem breiten, mit Figuren versehenen inneren Bogen, der außen von einem schmaleren, ornamental geschmückten Band eingefasst wird. Die Skulpturen sind an vielen Stellen stark verwittert.

Im Scheitel der ersten Archivolte (gezählt wird von innen nach außen) befindet sich das Lamm Gottes (Agnus Dei), links und rechts von je zwei Engeln begleitet, wobei die unten stehenden die oberen mit ihren Händen auf einer Plattform hochheben (Engel wiegen ja auch nichts. ;-)) und die oberen offenbar kleine Weihrauchfässchen schwenken.

Archivolten des Hauptportals
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In der zweiten Archivolte sind unschwer "Akrobaten" zu erkennen. An Portalen, Kapitellen und Konsolen romanischer Kirchen werden oft Menschen dargestellt, deren Körper extrem verdreht sind oder die einen artistischen Kraftakt ausführen. Stehen sie für die kräftezehrenden Bemühungen auf dem Weg zum rechten Glauben oder für das Laster, das mit Gauklern und fahrendem Volk in Verbindung gebracht wurde? Wir wissen es nicht... Auch ist nicht erkennbar, was die beiden oberen Akrobaten im Scheitel mit ihren Füßen festzuhalten scheinen.

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In der dritten Archivolte ist Tauziehen angesagt: Schwer müssen sich links und rechts die jeweils fünf Personen anstrengen, um ein großes Tier (ein Löwe?) nach oben zu ziehen. Wem im Scheitel die Mühen gelten ist nicht mehr genau zu erkennen. Vielleicht handelt es sich hier symbolisch tatsächlich um die Sichtbarmachung der Anstrengungen für den rechten Glauben?


Die seitlichen Scheinportale


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Im Bogen der Archivolte des linken Scheinportals reißen zwei sich gegenüberliegende Drachen gewaltig ihre Mäuler auf. Ihre spitzen Zähne wirken bedrohlich. Einen weiteren Drachen und eine liegende Person kann man mit etwas Phantasie auch darunter im Fries (unterer Abschluss vom Bogen) vermuten, während die ruhig dasitzende Gestalt im Bogenfeld durch die Verwitterung keine eindeutige Zuordnung mehr gestattet. Sie muss aber einen Kreuznimbus getragen haben, dessen Rest noch erkennbar ist.
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Ist das die Darstellung der Bedrohung des rechten Glaubens von außen? Oder schwingen hier alte heidnische Vorstellungen und Sagen mit?

Die Figur im Bogenfeld des rechten Scheinportals ist dagegen besser erhalten, Segensgruß und Kreuznimbus weisen auf Christus.



Die Kapitelle am Portal


Archivolten und Kapitelle des Hauptportals
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Die verwitterten Strukturen lassen auch bei den Kapitellen viele Rätsel offen. Mit viel Phantasie kann man Menschen (eine Prinzessin?), pflanzliche Ornamente, Vögel und andere Tiere und verschiedene Monster erkennen. Kampf scheint ein Thema der Darstellungen zu sein...

Kapitelle am Hauptportal
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... folgt noch... :))

Für weitergehende Informationen zu Geschichte und Architektur sei auf die ausführliche Beschreibung von Ste-Radegonde auf -->Wikipedia verwiesen.

Die Reisen zu ausgewählten Kostbarkeiten in der Saintonge und im Poitou werden fortgesetzt...
jetzt aber erstmal
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in die Île de France nach St-Denis