Exkurse zur Architektur: Innenräume barocker Kirchen


Die Benediktiner-Abteikirche Ottobeuren


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Der Neubau der Abteikirche Ottobeuren ist eines der großen Projekte barocker Architektur im Süden Deutschlands.  1737 erfolgten Baubeginn und Grundsteinlegung, 1748 übernahm Johann Michael Fischer die Bauleitung, 1766 erfolgte die Weihe. Die Abteikirche bestimmt durch ihre erhöhte Lage das Bild des kleinen Ortes. Eine Inschrift über dem Eingang lässt keinen Zweifel, was dieses "Haus" sein will: Das Haus Gottes und Himmels Porten. Das ist ein hoher Anspruch, dem "nach barocker Auffassung die höchstmögliche Pracht der Ausstattung, an der die Herrlichkeit des Göttlichen mit den Sinnen erfassbar wird", gebührt. (1, Wilfried Hansmann)

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Und so stimmt die gesamte Architektur des Außenraumes mit seiner schönen Fassade bereits auf den Innenraum ein. Mit großen Fenstern erzielten Fischer und die anderen am Bau beteiligten Künstler eine helle Beleuchtung des Innenraumes, der mit zu den besten Raumkunstwerken des Barock überhaupt gehört. Die Ausstattung der Abteikirche im Innern ist dabei überaus prächtig.
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  (West-) Querhaus
Durch die ausladenden Querarme und die weiträumige Vierung wird eine phantastische Raumwirkung geschaffen, die durch die kunstvolle Innenausgestaltung mit ihrer illusionistischen Malerei in den Kuppelgewölben ins Grandiose gesteigert wird. Dabei ist der Grundriss eigentlich eher konventionell, nach der ausschwingenden Fassade mit den flankierenden Türmen öffnet sich zunächst ein Vorraum und anschließend das Kirchenschiff mit zwei seitlichen niedrigen Schiffen (ähnlich einer Basilika) zum Gemeinderaum. Das Querschiff wirkt jedoch durch seine halbrunden Abschlüsse sehr großzügig, wozu insbesondere auch die überkuppelte Vierung als räumliche Mitte der Abteikirche beiträgt. Die Ecken der Vierung sind abgeschrägt, was den festlichen Raumeindruck weiter verstärkt. Der sich anschließende Mönchschor stößt flach an die Abteigebäude, hier befindet sich der barocke Hochaltar - Höhepunkt und Abschluss dieses barocken Gesamtkunstwerkes.

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Treten wir ein! Der Zugang erfolgt durch das Hauptportal im Norden und führt in die Vorhalle, über der sich die Musikempore mit der Orgel befindet.
Die Kirche ist in der Achse N-S orientiert, d. h. Chor und Altar befinden sich im Süden.

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Vom Eingangsgitter der Vorhalle aus öffnet sich der überwältigende Blick in den Kirchenraum. Monumentale Wandsäulen, drei Kuppeln mit Fresken, vor allem aber die schon erwähnte Helligkeit und Pracht des Innenraumes begeistern:

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Die Deckengemälde

Die vielfigurigen Fresken im Innenraum wurden durch Johann Jakob Zeiller und Franz Anton Zeiller von 1715 an bis 1764 (mit Unterbrechungen) ausgeführt. Das allgemeine Thema des ikonographischen Programms ist der Heils- und Erlösungsgedanke. Darin eingebunden werden Episoden aus der benediktinischen Tradition. Vom Halbdunkel der Vorhalle (deren mittleres Deckenfresko die "Vertreibung der Geldwechsler und Händler aus dem Tempel" zeigt und somit an die Reinheit des Ortes gemahnt) treten wir gleichsam ins Helle.

"1000 Jahre Ottobeuren"

Im Himmel und auf Erden - zuoberst im Himmel sehen wir die Schätze des Klosters, so die im spanischen Kreuz aufbewahrten Partikel vom Kreuze Christi oder den Alexandermantel. Petrus und Paulus (links) sind zugegen. In der Mitte sitzt der hl. Benedikt - der Ordensgründer - auf einer Wolke. Unten auf der Erde ist der Neubau der Kirche der 764 gegründeten Abtei vollendet. Links und rechts eine Schar von bedeutenden Personen, die sich um Ottobeuren verdient gemacht haben. So zum Beispiel rechts Karl der Große, der die Stiftung bestätigt (Confirmatio) oder Kaiser Otto I., der das Kloster von allen Abgaben befreite und die Selbstständigkeit verbürgte (Exemptio). Vor ihnen, mit schwäbischem Wappen, der Herzog von Schwaben. Vorn überbringen zwei Engel dem Abt Rupert - er legte den Grundstein zum Neubau der Kirche - den Segensgruß.

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1000 Jahre Ottobeuren

Der hl. Benedikt und sein Orden

Die Kuppel im Kirchenschiff zeigt uns den heiligen Benedikt, der vom Strahl des heiligen Geistes getroffen wird. Um ihn herum Märtyrer, Heilige und Missionare, in den Zwickeln Szenen aus seinem Leben. Die Personen sind an ihren Attributen erkennbar: so zum Beispiel kennzeichnet die Taube Benedikts Schwester Scholastika, links von ihr kniet Gertrud von Helfta mit einem brennendem Herzen und die Frau im weißen Gewand ist Mechthild von Hackeborn. (3)

"Benediktinerhimmel" - der hl. Benedikt und sein Orden
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Die Tätigkeit des Ordens wird ebenfalls thematisiert, wir erkennen Bonifatius mit einem Schwert im Buch oder Missionare auf einem anderen Kontinent bei der Taufe. (Und im Hintergrund wird ein Götzenbild gestürzt.)

In der Vierungskuppel: Die Aussendung des heiligen Geistes

Die Vierung ist die räumliche Mitte der Kirche, hier treffen alle Räume und Kraftströme zusammen. In der Kuppel befindet sich deshalb auch das wichtigste Deckengemälde - die Darstellung des Pfingstwunders: Pfingsten erfolgte die Aussendung des heiligen Geistes, was zur Ausbreitung und Verehrung der Kirche über den ganzen Erdkreis führte. Das Pfingstwunder gilt so als "Geburtstag" der Kirche.

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Da ist ordentlich was los im Himmel: Von der Taube des heiligen Geistes im Zentrum gehen die Strahlen in alle Richtungen. Die Taube wird von sieben Engeln umgeben, sie symbolisieren Allegorien der Tugenden und Geistesgaben. Erkennbar sind sie (wie meist) an den Attributen - so hält zum Beispiel die Wissenschaft ein Fernrohr und einen Globus, der verständige Rat ein Liktorenbündel oder die Stärke eine Säule in den Händen. Es braust außerdem mächtig und der Heilige Geist kommt mit Feuerflammen über die Menschen auf der Erde. Zentrale Gestalt ist die Gottesmutter Maria, um sie herum erschauern die zwölf Apostel geradezu in dramatischen Posen ob des überirdischen Wunders. Die Apostel können plötzlich in 'allen Zungen' reden und haben damit den Auftrag, jetzt die christliche Botschaft über die ganze Welt zu verbreiten.

Das tun sie auch und auf der gegenüberliegenden Seite des eindrucksvollen Deckenfreskos (die Nordseite der Kuppel) triumphiert schließlich die katholische Kirche:  Maria als Verkörperin dieser Kirche steht hochaufgerichtet im Priestergewand auf der Weltkugel, das Böse, von Blitzen getroffen, liegt besiegt zu Füßen und wird niedergehalten, und die Völker der Erde, dargestellt durch Menschen der damals bekannten Erdteile in phantasievollen Gewändern, kommen herbei, um ihr zu huldigen.

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In der Vierung


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Die Vierung ist der alles beherrschende Kraftort, von hier aus kann man in alle vier Himmelsrichtungen blicken. Dabei entsteht der Eindruck eines Zentralbaus, der durch die symmetrische Anlage der Querhausarme mit den halbrunden Enden noch verstärkt wird. Die Wände der Abteikirche werden durch kolossale marmorierte Pilaster beziehungsweise durch Halb/Dreiviertel-Säulen gegliedert, große Fenster lassen das Licht hereinfluten. Durch die Helligkeit und Weite entsteht so insgesamt ein grandioses Raumgefühl.


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Blick in vier Himmelsrichtungen: v.l.n.r.: N-O-S-W


Deckenfresken in den Querhausarmen

Das Deckengemälde im östlichen Querhaus (links, bei Blickrichtung zum Altar) hat die Verurteilung der Felicitas mit ihren sieben Söhnen zum Inhalt.
Aufgrund ihres christlichen Glaubens wurde die römische Witwe Felicitas gemeinsam mit ihren Söhnen durch den Stadtpräfekten Publius auf dem Forum Romanum zum Tode verurteilt. Vor ihren Augen wurden zuerst ihre Söhne, darunter Alexander (der Stiftspatron der Abtei), getötet und schließlich sie selbst. Im Hintergrund des Freskos  werden verschiedene antike römische Bauten phantasievoll dargestellt.

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Die Verurteilung der hl. Felicitas mit ihren Söhnen, Deckenfresko im östl. Querhaus

Das Deckenfresko auf der gegenüberliegenden Seite im westl. Querhaus wird als "Gnadentreppe" bezeichnet. Es geht stufenförmig nach oben: Bei den Prozessionen zur Madonnenfigur (eine Schutzmantelmadonna auf der linken Bildseite) steigen die Bittgebete hoch zu Maria, die sie weiter zu ihrem Sohn leitet. Christus schließlich ist der Vermittler nach ganz oben zu Gottvater.

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Die Gnadentreppe, Deckenfresko im westl. Querhaus

Engelskuppel

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Das Deckenfresko im Chorbereich zeigt die himmlischen Sphären: Im Zentrum thront Gottvater auf einer Wolke, um ihn herum die neun Chöre der Engel. (Auch das Himmelreich ist hierarchisch streng geordnet...) Geläufig sind den meisten Menschen in dieser himmlischen Hierarchie neben den einfachen Engeln oft nur die Erzengel. Außer diesen gibt es aber auch noch Cherubine, Serafine, Throne und andere. Gefallene Engel allerdings auch - Luzifer ist wohl der bekannteste. Die abtrünnigen Engel und die Dämonen werden bekämpft, diese Aufgabe fällt meistens dem Erzengel Michael zu, der hier im Fresko von kleinen, Blitze schleudernden Engeln wirkungsvoll unterstützt wird. Erzengel Raphael hat inzwischen den Dämon Aschmodai gefesselt, während Erzengel Gabriel mit der Lilie in der Hand etwas abseits schwebend sich wohl auf die Verkündigung vorbereitet...

Engelskuppel - Neun Engelschöre
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Der Chorraum mit dem Hochaltar


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Beim Durchschreiten der Abteikirche vom Eingang her ist der Altar Ziel und Höhepunkt des Weges. Sieben Stufen führen hoch in den Chorraum. In einer nischenförmigen Aussparung der Chortreppenstufen befindet sich der Kreuzaltar mit einem Relief zum Emmausmahl an der Tabernakeltür. Über der Christusfigur kann man die Worte lesen: "Vater, verzeihe ihnen."
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Der prächtige Hochaltar in Ottobeuren füllt mit machtvollem Säulenaufbau die abschließende Chorwand in ganzer Ausdehnung. Hier schließt sich der Glaubenskreis: Steht vor dem Altarbild noch ein Tabernakel mit zierlichem Christuskind, so zeigt das Altargemälde den siegreichen Christus zur Rechten Gottvaters (zusammen mit dem heiligen Geist) sitzend. Der erlösende Blutstrahl aus der Seitenwunde trifft auf die Welt - und wie in einer Glaskugel sieht man das erlöste erste Menschenpaar Adam und Eva.

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Links und rechts neben dem Altargemälde befinden sich die überlebensgroßen Statuen des Petrus (links, mit Schlüssel und auf dem Kopf stehenden Kreuz) und Paulus (rechts, mit Schwert und Buch). An den äußeren Seiten stehen die Statuen der Kirchenpatrone Ulrich von Augsburg (links) und Konrad von Konstanz (rechts), die 972 für Ottobeuren die Reichsfreiheit durchgesetzt haben.

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V.l.n.r.: Ulrich von Augsburg, (Engel), Petrus, Paulus, (Engel), Konrad von Konstanz

Gesten und Mimik der Figuren am Altar schaffen die Verbindung zwischen dem Heilsgeschehen und dem gläubigen Betrachter vor der Szene.

Den oberen Abschluss des eindrucksvoll gestalteten Hochaltars bildet ein Baldachin über der Glorie des hebräischen Jahwe-Tetragramms.
Das Fresko im Gewölbe darüber zeigt den Richter und das blutende Lamm vor dem geöffneten Buch mit den sieben Siegeln, umgeben von den 24 Ältesten - der jüngste Tag und das Endgericht brechen an...

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Das Chorgestühl

Das 1766 vollendete hölzerne Chorgestühl an den beiden Seiten der Chorwände gehört zu den großen Leistungen oberschwäbischer Chorgestühle, mehrere Künstler waren hier in Entwurf und Ausführung beteiligt: Joseph Christian, Karl Joseph Riepp (von dem auch die Orgeln stammen), Johann Michael Feichtmayer und Martin Hermann. Achtzehn verschieden breite, virtuos geschnitzte Lindenholzreliefs, getrennt durch Pilaster mit vergoldeten Karyatiden, bilden die Rückwände. Die bildlichen Darstellungen "gehören zum besten, was die Reliefkunst des 18. Jh. hervorgebracht hat" (2, Dehio)


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Sie zeigen in korrespondierender Anordnung links Szenen aus dem Alten Testament und rechts Szenen aus dem Leben des hl. Benedikt. Zum Beispiel: David singt Psalmen - Benedikt singt Psalmen, Abraham wird berufen - Benedikt wird berufen, Mose lässt eine Quelle entspringen - Benedikt lässt eine Quelle entspringen, Jakob träumt von der Himmelsleiter - Benedikt schaut die Welt in einer Kugel, Elisäus erweckt einen Toten - Benedikt erweckt ein totes Kind, usw.
Ein das Chorgestühl abschließendes Gebälk leitet schließlich mit kräftigem Schwung zu den barocken Seitenorgeln an den Chorwänden über.

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Altäre, Taufe und Kanzel in der Vierung

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Erzengel Michael
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An den Vierungspfeilern befinden sich aufwändig gestaltete Altäre mit Reliquienschreinen. Die Gebeine darin gehören zu sogenannten "Katakombenheiligen", sie wurden im 17. Jh. in Rom erworben.
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Schutzengel
(Der katholische Glauben beinhaltet eben auch den Glauben an die Wundertätigkeit von Heiligen und die Verehrung ihrer Überreste. Aber Achtung, die hier mit Benedict bezeichneten Gebeine gehören nicht zum hl. Benedikt, dem Ordensgründer.)
Die Altarfiguren mit Blickrichtung zum Chor stellen zwei Engel dar, links den Erzengel Michael und rechts einen Schutzengel (sie beschützen sozusagen den heiligen Bereich), und gegenüber mit Blickrichtung zum Eingang den hl. Joseph und Johannes den Täufer. Der Erzengel Michael hält ein Flammenschwert in der Rechten, kleine, Blitze schleudernde Engel unterstützen ihn beim Wache halten.

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Altäre an den Vierungspfeilern, Figuren v.l.n.r.: Michael, Schutzengel, Joseph, Johannes d. T.

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Hieronymus
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Gregor (d. Gr.)
Oben auf den Gesimsen der Vierungspfeiler sind die vier Kirchenväter versammelt: Hieronymus (mit dem Löwen, der ihm treu folgte), Gregor (mit Papstkrone), Augustinus und Ambrosius. Die Gemälde in den Zwickeln darüber stellen die vier Evangelisten dar, ganz oben erhebt sich dann die Vierungskuppel mit dem schon beschriebenen Deckengemälde des Pfingstwunders. Dieser Aufbau widerspiegelt sehr schön auch die hierarchische Struktur der katholischen Kirche.

Taufe und Kanzel an den nördlichen Vierungspfeilern

Das Taufbecken vor dem nordöstlichen Vierungspfeiler besteht aus rotem Marmor, am Pfeiler selbst erhebt sich darüber eine aufwendige Gestaltung mit der Darstellung der Taufe Christi durch Johannes den Täufer, der heilige Geist und Gottvater sind ebenfalls zugegen. Im Relief an der Konsole sieht man der Sündenfall.

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Gegenüber am westlichen Vierungspfeiler befindet sich die Kanzel. Der dreiseitige, geschwungene Kanzelkorb enthält ebenfalls vergoldete Reliefs, so zum Beispiel eine Darstellung der Aussendung der Apostel. Die Putten mit ihren phantasievollen Kopfbedeckungen verkörpern die vier (bekannten) Erdteile. Der Schalldeckelaufsatz zeigt die Verklärung Christi und Gottvater hoch oben in den Wolken.

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Altäre in den Querhäusern

Die beiden Querhausaltäre sind vom Typ ähnlich aufgebaut wie der Hochaltar im Chor, aber natürlich kleiner und reduziert gestaltet. Der Altar im östlichen Querhaus ist Märtyrern gewidmet: Das Altargemälde zeigt die Enthauptung des Alexander, die Seitenfiguren stellen den hl. Theodor (mit den Flammen) und den hl. Sebastian (von Pfeilen durchbohrt) dar.

Theodor - Alexander - Sebastian - Altar
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Der Marienaltar im westlichen Querhaus zeigt Papst Pius V. im Gebet zur Madonna während der Seeschlacht von Lepanto, die Seitenfiguren stellen den hl. Dominik und die hl. Katharina von Siena dar. Das Bild oben zeigt die Verleihung des Skapuliers (Bestandteil der Ordenstracht) an den hl. Simon.

Marienaltar
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V.l.n.r.: Marienaltar, Altarbild, Katharina von Siena, Verleihung des Skapuliers

Weitere Altäre, Gemälde und Fresken

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"Mantelteilung"
Die vielen Altäre in den Nischen der Wände oder bei den Durchgängen der Seitenschiffe bilden mit ihren Wandaufbauten eine optische Einheit. Die Themen der Altäre, der Skulpturen, Gemälde und Bilder beinhalten nicht nur Episoden aus dem Leben des Ordensgründers, sondern auch aus dem Leben vieler anderer Heiliger: hier nur drei Beispiele: Ankunft und Predigt des hl. Benedikt auf dem Monte Cassino, nächtliche Unterredung mit seiner Schwester Scholastika, der Tod des hl. Martin. Der hl. Martin ist ja vor allem durch seine Mantelteilung bekannt, die ebenfalls in einem Fresko dargestellt wird.

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Engel, Putten, Stuckdekorationen

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Schier unzählbar ist die Anzahl der Figuren, der Engel und Putten, die sich an Altären, auf Gesimsen oder in den Zwickeln tummeln... Unmerklich gehen manche der dreidimensionalen Figuren in den zweidimensionalen (illusionistischen) Raum der Gewölbefresken über. Die figürlichen Darstellungen und die Stuckdekorationen mit ihren Blattformen, Ranken und Blumenmustern bewegen sich dabei auf hohem Niveau.
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Würdigung

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Ottobeuren gehört "...zu den prunkvollsten Raumkunstwerken des Barock überhaupt. Bei allem Jubel der Erscheinungsform zerschlägt die Ausstattung aber nicht den architektonischen Gehalt, sondern deutet ihn aus. Gliederungselemente und Gesimse blieben weitgehend von Dekorationsformen frei, so dass sich ein klares Ordnungsgefüge abzeichnet. 'Den Altargestaltern ward die Aufgabe der Bewegungsrichtung, den Gewölbemalern jene der Hebung und Weitung des Raumbildes zugewiesen'. Der Vierungskuppel ... ist das wesentlichste der Freskogemälde vorbehalten, der Stiftung der Kirche zu Pfingsten, ihre Ausbreitung über den Erdkreis und die Wirksamkeit des Heiligen Geistes als Seele der Kirche." (1)

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Quellen und Literatur:
1) W. Hansmann, Barock, Deutsche Baukunst 1600-1760, E.A. Seemann, Leipzig 1997
2) G. Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern III: Schwaben, Deutscher Kunstverlag, 1989
3) P. Rupert Prusinovsky, Benediktinerabtei Ottobeuren, Broschüre, Kempten 2010
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