Barocke Kirchenfassaden in Polen

Die Beispiele sind zufällig und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Krakau, Peter-und-Paul-Kirche
Ab der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts breitete sich der Barockstil in Polen aus. Gotische Kirchen wurden im Innern barockisiert, andere wurden neu gebaut. In Krakau entstanden zum Beispiel die Bernhardinerkirche (1659-1680) und die Annenkirche (1689-1703); die sehr bewegten Fassaden des römischen Spätbarock wurden bei den Bauten der Visitantinnenkirche (1728-1765) in Warschau oder der Dreifaltigkeitskirche in Krakau-Kazimierz  (1741-1758) verwirklicht. In Heiligelinde wurde die Wallfahrtskirche mit ihrer Zweiturmfassade und einem Laubenumgang 1688-1730 neu erbaut.

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Zwei Beispiele für den barocken Kirchenbau in Polen

Krakau: Die Annenkirche

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St.-Annenkirche
Die 1689-1703 von dem niederländischen Baumeister Tylman a Gameren erbaute St.-Annen-Kirche in Krakau ist ein hervorragendes Beispiel für den reifen barocken Stil. Vorbild für die Fassade war S.-Andrea-de-Valle in Rom. Da in Krakau kein Platz vor der Kirche vorhanden ist, der  den frontalen Blick auf die Fassade erlaubt, ist sie für die seitliche Ansicht plastisch kräftig durchmodelliert: Gesimse, Pilaster, Säulen und gesprengte Giebel bilden eine bewegte Fläche.
Die Annenkirche dient für die ehrwürdige Krakauer "Alma mater" als Universitätskirche.

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Der Innenraum wirkt monumental, vor allem aufgrund der durchgehenden Pilaster an den Wänden. Eine Kuppel auf hohem Tambour beleuchtet die Vierung. Den gewaltigen Hochaltar bekrönt eine Strahlenglorie mit einem Buch im Zentrum, in dem die Worte "Liber Generationis Iesu Christi" aufgeschlagen sind.

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Die üppigen Stuckarbeiten schuf Baldassare Fontana, ein Nachfolger Gianlorenzo Berninis, in den Jahren 1694-1704.

St-Annen-Kirche, Details
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Im Querschiff der Annenkirche befindet sich das Grabmal des Krakauer Theologen und Professors der Universität Jan Kanty (Johannes Cantius, 1390-1473), der 1767 heilig gesprochen wurde.
In einer Nische steht auch ein Denkmal für Nikolaus Kopernikus, der von 1491 bis 1497 an der Krakauer Universität studiert hat.
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V.l.n.r.: Kanzel, Grabmahl für Jan Kanty, Kopernikusdenkmal


Warschau: Hl.-Kreuz-Kirche

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Hl.-Kreuz-Kirche und Kopernikusdenkmal
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Kommt man auf dem "Königsweg" - der Prachtstraße Warschaus - von Süden in die Stadt, dann ist die Heilig-Kreuz-Kirche die erste der großen Kirchen auf dem Weg zum Schloss. Im schwedisch-polnischen Krieg (1655-1660) wurde die erste Kirche zerstört, danach wurde sie in barocken Formen wieder aufgebaut. Giuseppe und Jacopo Fontana bauten 1726-1737 die Kirche abermals um und fügten die markante Zweiturmfassade hinzu. In dieser Form wurde sie auch von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, in einer seiner Warschauer Veduten gemalt. Während des Warschauer Aufstandes 1944 wurde die Kirche von der deutschen Wehrmacht gesprengt. Das Kreuz der Fassade fiel herunter und lag symbolträchtig am Boden. Nach dem Krieg fand der Wiederaufbau mit einem vorläufigen Abschluss bis 1953 statt. So kündet dieser Bau, wie so vieles in Warschau, vom Überlebenswillen und von den unglaublichen Aufbauleistungen des polnischen Volkes.

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In den Folgejahren wurden auch die Seitenkapellen und die Altäre im Innern wiederhergestellt, 2002 erhob Papst Johannes Paul II. die Kirche in den Rang einer Basilika minor.
Der (wiederhergestellte) vergoldete Hauptaltar ist überaus prächtig. Seine Architektur gleicht einem Triumphbogen, in dessem gesprengten Giebel drei Engel das Kreuz halten. Auf den Bögen sitzen die allegorischen Figuren der Caritas (der Liebe, verkörpert durch eine Frau mit zwei Kindern) und der Fides (dem Glauben, eine Frau mit Kelch). Ähnlich prächtig (und vergoldet) sind die Altäre in den sechs Seitenkapellen.

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Unter den vielen Grabmälern bedeutender Persönlichkeiten ist für Musikliebhaber (und Touristen) eines besonders interessant: Im zweiten Pfeiler links befindet sich das Herz des Komponisten Frederik Chopin. Begraben ist er in Paris, aber sein Herz gehört Warschau.
Das vergoldete Kreuz hoch oben auf der Fassade ist wieder weithin sichtbar. Und symbolträchtig ist auch die das Kreuz tragende Christusfigur vor der Kirche. "Sursum corda" - d.h. "Erhebet eure Herzen".

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Soweit die zwei barocken Kirchen in Krakau und Warschau. Aber es gibt in Polen natürlich noch mehr - zum Beispiel in Schlesien: Ein herausragendes Beispiel des schlesischen Barock stellt die von Dientzenhofer entworfene ->Wallfahrtskirche in Legnieckie Pole (Wahlstatt) dar.


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zu barocken Schlössern in Deutschland

oder
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zu Innenräumen barocker Kirchen