Mauern, Tore und Türme in Sachsen-Anhalt:

Die Stadtbefestigung in Burg (bei Magdeburg)

Zugegeben, wer in Burg eine ummauerte Altstadt erwartet, wird enttäuscht werden, denn viel ist nicht mehr vorhanden von der einst so gerühmten Befestigung "...einer wohl fein verwahrten Stadt", wie ein Chronist im 30-jährigen Krieg über Burg schrieb.


Das Flüsschen Ihle teilt die Stadt in zwei ungleiche Teile: aus dem Suburbium der auf dem Sporn oberhalb des Flüsschens vermuteten Burg könnte sich die Oberstadt entwickelt haben, die Unterstadt dagegen wurde planmäßig mit rechtwinkligen Straßenzügen angelegt, hier war vielleicht eine alte slawische Siedlung der Vorläufer.
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Stadtmauer und Turm in der
Nordstraße
Wie dem auch sei, der Ort wird bereits 948 erstmals in einer Urkunde Ottos I. erwähnt und ist bereits zeitig befestigt gewesen. Dabei hat es sich nicht um eine Stadtmauer nach heutigem Verständnis gehandelt. Die frühen Befestigungen bestanden meist aus Holz-Erde-Konstruktionen, die Siedlungen wurden in der Regel mit Wällen und Gräben sowie hölzernen Palisaden versehen.
Burg erfährt im Mittelalter einen schnellen Aufstieg, der durch Handwerk und Handel und natürlich auch durch die fruchtbare Umgebung befördert wird. Von der wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt in dieser Zeit zeugt u. a. das "Burger Landrecht".
Die alten Holzbefestigungen wurden nach und nach durch Steinmauern, Tore und Türme ersetzt, dabei wurde auch die Unterstadt mit einbezogen.

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Stadtmauerrest in Burg
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...hier mit vermauerten Zinnen!
Im 14./15. Jahrhundert hatte die Stadtmauer eine Länge von etwa 3,5 km und eine Höhe von drei bis vier Metern. An der Mauerinnenseite befand sich ein hölzerner Wehrgang. In unregelmäßigen Abständen standen Wehrtürme, in Burg sollen es dreißig an der Zahl gewesen sein. Fünf Tore führten einst in die Stadt, aber nur ihre Namen sind erhalten: Schartauer Tor, Berliner Tor, Magdeburger Tor, Zerbster Tor und das Neue Tor.

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Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann dann der Abriss der Befestigungen, den Anfang machte 1806 das Berliner Tor, gefolgt 1811 vom Schartauer Tor, bald war alles beseitigt. Nur drei Türme und geringe Reste der (meist überbauten) Mauern blieben erhalten. Umso größer war die Überraschung, als beim Abriss der alten Gerberfabrik und Vorbereitungen für die 4. Landesgartenschau Sachsen-Anhalt 2018 ein Stück der alten Stadtmauer zum Vorschein kam und jetzt mit in die Gestaltung des Geländes am Weinberg einbezogen werden konnte.

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Stadtplan Burg, nach (1), 1-Rathaus
3-Oberkirche, 4-Berliner Torturm
12-Unterkirche
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Qualitäts-Mauerwerk der roma-
nischen Unterkirche St. Nikolai
Die Qualität der Mauern war sehr unterschiedlich. Zu Beginn wurden meist sorgfältig behauene Feldsteine verwendet (zum Vergleich schaue man sich das hervorragend verarbeitete Mauerwerk der romanischen Unterkirche St. Nikolai vom 12. Jh. in Burg an!), später musste alles schneller gehen und die nur grob behauenen Steine wurden mit viel Mörtel vermauert. Noch später wurden Schalenmauern errichtet, deren Zwischenräume mit dem, was man eben zur Hand hatte, verfüllt und vergossen wurde. Im Stadtgrundriss von Burg lässt sich der Verlauf des alten Mauerrings noch gut erkennen: entgegen dem Uhrzeigersinn vom Berliner Torturm beginnend im Norden über die Nordstraße mit dem Hexenturm und über den Weinberg zur Bethanienstraße und Mauerstraße im Westen; die südliche und östliche Begrenzung markieren die Magdeburger, die Zerbster und die Berliner Promenade.

Erhalten blieben von der Stadtbefestigung drei mittelalterliche Türme in der Oberstadt.

Der Berliner Torturm


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Berliner Torturm
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Der Turm wurde im 14. Jahrhundert erbaut und schützte das Liebfrauentor, das später Berliner Tor genannt wurde. Im dreißigjährigen Krieg war dieser Teil der Stadtbefestigung heftig umkämpft. Der Turm besteht aus drei Geschossen, hat eine Höhe von 23 Meter und eine Wandstärke von 2,30 Meter. Im unteren Geschoss befindet sich ein Verlies. Beim Betrachten der runden Backsteinmauer erkennt man außen ein Ziermuster aus unterschiedlich gefärbten Steinen. Den oberen Raum konnte man ursprünglich nur von der Stadtmauer aus erreichen, heute sind nach Rekonstruktionsmaßnahmen und Erschließungen alle Räume sowie die Aussichtsplattform gefahrlos zu betreten. Eine Informationstafel am Turm klärt über die Geschichte auf.

Berliner Torturm in Burg
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Der Hexenturm


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Hexenturm
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Dieser Wehrturm schützte einst die nördliche Flanke der Stadt; er soll bereits aus dem 11. Jahrhundert stammen. Der damals vermutlich ursprünglich zur Stadtseite hin offene, rechteckige Turm wurde im 15. Jahrhundert zum Rundturm umgebaut und verstärkt. Der Turm enthält ein sechs Meter tiefes Verlies, in das die Gefangenen durch eine Öffnung im darüberliegenden Erdgeschoss hinabgelassen wurden.
Anfang des 17. Jahrhunderts wurden im Turm mehrere als vorgebliche Hexen angesehene Frauen gefangengehalten, woher sich der jetzige Name ableitet. Bis zum Jahr 1846 wurde der Turm als Frauengefängnis ("Criminalgefängnis für liederliche Mädgens") verwendet. Danach sollte er mehrmals abgerissen werden, was zum Glück (aus heutiger Sicht) verhindert wurde. Seit 1985 steht der Turm als ein wichtiger Zeuge der Stadtgeschichte unter Denkmalsschutz.

Hexenturm in Burg
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Der Freiheits- oder Kuhturm


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Freiheitsturm
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Der Turm wurde 1530 zum ersten Mal erwähnt, doch ist seine damalige Funktion nicht ganz klar. Da er nicht unmittelbar Bestandteil der Wehranlagen war, wird vermutet, dass der Turm zu einem sogenannten Freihof gehörte, der von Steuern und Abgaben "befreit" war. Auch die zwei übereinanderliegenden Tordurchfahrten (das erste Tor liegt etwa zwei Meter unter dem heutigen Straßenniveau) geben Rätsel auf: War der Turm baufällig oder bei kriegerischen Handlungen beschädigt worden? Oder hatte sich das Straßenniveau durch Aufschüttung soweit erhöht, dass der erste Durchgang aufgegeben und ein zweites  Tor geschaffen wurde? Fest steht nur, dass die Burger den Durchlass nutzten, um hier ihr Vieh auf die Weiden "unterm Hag" zu treiben, woraus der  Name "Kuhturm" entstand.
Auch dieser Turm wurde als Gefängnis benutzt, später als Jugendherberge verwendet, heute befinden sich Ausstellungsräume in dem restaurierten Gemäuer.

Freiheitsturm in Burg
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Quellen:
(1) Architekturführer Magdeburg, Verlag für Bauwesen, 1992
(2) Informationstafeln der Stadt Burg

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