Mauern, Tore und Türme in Sachsen:

Die Stadtmauer von Delitzsch

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Postmeilensäule in Delitzsch
Die kleine Stadt Delitzsch liegt im Nordwesten von Sachsen und wurde 1166 erstmals in einer Urkunde Friedrich Barbarossas erwähnt. Doch eine slawische Burganlage bestand hier schon früher. Etwa ab 1200 wird die Siedlung über das Stadt- bzw. Marktrecht verfügt haben.
"Vom Wohlstand im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit zeugt vor allem die gut erhaltene und durch verschiedene architektonische Epochen geprägte Altstadt mit dem Barockschloss, der Stadtbefestigung, ihren Plätzen, Bürger- und Patrizierhäusern und Stadttürmen.
Das Stadtgebiet der Mittelstadt und ihre Umgebung sind von ausgedehnten Gewässer-, Wander- und Radwegnetzen sowie Naturschutzgebieten geprägt." So kann man es bei dem als exzellent gekennzeichneten Artikel in Wikipedia über Delitzsch lesen.

Breiter Turm

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Und tatsächlich kann man die Altstadt vollständig auf dem Promenadenweg umrunden und sich dabei an den Resten der Stadtmauer erfreuen. Also los! Wir kommen vom Bahnhof und befinden uns nach kurzem Weg vor dem ehemaligen Breiten Tor, von dem allerdings nur noch der "Breite Turm" erhalten blieb.

Zum Turm erfährt man im Museum folgendes:

Dieses Bauwerk wurde 1397 als Teil der Wehranlage errichtet. Die Grundmauern sind 2,10 Meter stark. Von 1504 bis 1902 war im Obergeschoss eine Hausmannwohnung eingerichtet, in der der Türmer und Stadtpfeifer lebten. Im Mittelalter befand sich in der Turmsohle ein Verlies.

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Einer Sage nach blies hier Maria Neander 1637 Trompetensignale und rief damit die Einwohner zu den Waffen. So konnten die Bürger ihre Stadt erfolgreich vor den schwedischen Angreifern verteidigen.
Das benachbarte Torwächterhaus wurde 1867 abgebrochen.
Im Museum Barockschloss Delitzsch befindet sich ein interessantes Modell der mittelalterlichen Stadt, wo die Situation der Stadtmauer am Breiten Tor gut erkennbar wird.
Am Turm müssen wir uns entscheiden: In die Stadt hineingehen oder außen an der Stadtmauer entlang? Wir entscheiden uns für den südlichen Weg entlang des Stadtgrabens...

Stadtmodell mit Breitem Turm
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  entlang des Stadtgrabens
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Die ovale Stadtanlage wird an drei Seiten von der Lober umflossen, die in die Befestigungsanlagen (Stadtmauer, Graben, Wall) eingebunden wurde. Im südlichen Abschnitt dient der ehemalige Wall heute als Promenade, über den Stadtgraben hinweg öffnen sich schöne Ausblicke auf die alte Stadtmauer. Leider ist an einer Stelle im Südabschnitt die Standsicherheit der Mauer zur Zeit (Anfang 2019) nicht mehr gegeben. Hier hat sich die Mauer gefährlich nach innen geneigt, so dass die Mauergasse  gesperrt werden musste. Dringende Baumaßnahmen sind erforderlich, um diesen Abschnitt zu retten.

Stadtmauer und -graben in Delitzsch
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Mauertürme bzw. Wiekhäuser und Zwinger sicherten zusätzlich die Stadtmauer. Die Zwingeranlagen wurden häufig gärtnerisch genutzt - und wie man sieht, hat sich das bis heute erhalten, auch wenn die Zwingermauern längst verschwunden sind. Nach einer Weile taucht bei unserem Spaziergang auf der Promenade der Hallesche Turm im Westen der Altstadt auf.

Stadtmauer, Graben und Hallescher Turm
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Hallescher Turm

In die Stadt hinein kam man nur durch die zwei Tore mit ihren hohen Wehrtürmen - im Osten das Breite Tor und im Westen das Hallesche Tor. Zum Halleschen Turm erfährt man auf der Infotafel folgendes:
Dieser Turm wird 1394 bis 1396 als Teil der Wehranlage errichtet. Der Zugang zum Turm war damals nur über den Wehrgang möglich. Die Zwerchgiebel errichtete man 1548 im Stil der Renaissance.

Hallescher Turm
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Seit 1606 hat der Turm eine Uhr. Von 1686 bis 1898 versah hier ein Türmer seinen Dienst. Das vormals nördlich anschließende Hallesche Stadttor mit dem Torhaus wurde 1824 abgebrochen.
Am Halleschen Turm entdecken wir einen preußischen Adler mit dem Datum 21. Mai 1815. Was hat es damit für eine Bewandtnis? Die Tafel klärt auf:
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Russland und Preußen hatten in den Befreiungskriegen 1813/15 gegen Napoleon die Hauptlast getragen. Auf dem Wiener Kongress wurde Preußen für Gebietsabtretungen entschädigt, in dem es den nördlichen Teil des Königreichs Sachsen erhielt, wozu das Amt Delitzsch gehörte. Sachsen war bis zur Schlacht bei Leipzig Verbündeter Napoleons. Anlässlich der Übernahme des Amtes Delitzsch in preußische Verwaltung am 21.5.1815 wurde die Tafel mit dem preußischen Adler angebracht.

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Barockschloss Delitzsch
Noch mehr interessante Informationen zur Stadtgeschichte bekommt man im Museum Barockschloss Delitzsch. Sehenswert sind hier auch die wechselnden Sonderausstellungen. Das Schloss (und zuvor die Burg) war in die nordwestliche Stadtbefestigung eingebunden. Gräben und Wallanlagen zeugen davon.
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Barockschloss Delitzsch

Inzwischen ist das Schloss hervorragend restauriert - ein wahres Kleinod! Am Stadtmodell im Schloss kann man den typischen Aufbau einer mittelalterlichen Stadt mit Schlossareal, Marktplatz, Stadtkirche und den Befestigungsanlagen Stadtmauer, Graben, Wall und Toren studieren. Oben vom Schlossturm mit seiner welschen Haube kann man bei gutem Wetter bis Leipzig schauen.

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Links: Schlossbrücke und -graben, Mitte und rechts: Stadtmodell im Museum Schloss Delitzsch

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Graben, Mauer und Breiter Turm
Vom Schloss setzen wir unseren Rundgang an der nördlichen Promenade entlang der Stadtmauer fort. Hier wurde an einer Stelle anhand der vorhandenen Balkenlöcher ein Stück vom hölzernen Wehrgang rekonstruiert. Schließlich erreichen wir im Osten wieder unseren Ausgangspunkt, den Breiten Turm. Und jetzt gehen wir in die Stadt hinein! Das Café am Markt wartet schon.

Stadtmauer und rekonstruierter Wehrgang in Delitzsch
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Vorher können wir auf der Tafel an der Stadtmauer noch folgendes lesen:

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Stadtkirche
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Inftafel an der Stadtmauer
Mit dem Wall, dem Wassergraben, dem Zwinger, den Stadttoren und Wehrtürmen bildete die sechs Meter hohe Mauer einen Wehrring um die Altstadt.
Urkundlich 1410 erstmals erwähnt, ist der Baubeginn für 1397 nach Fertigstellung der beiden Wehrtürrme anzunehmen. Die Ziegelsteine stammten aus der städtischen Ziegelhütte in der Karlsstraße. Die Stadtmauer ist auf 1400 Metern und einer heutigen Höhe von vier Metern erhalten und bildet damit eine architekturhistorische Besonderheit in Mitteldeutschland.

Stadtmauer, Wall und Graben in Delitzsch
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Wie gesagt: Der Kaffee wartet schon. Und danach? Es gibt in Delitzsch noch viel mehr zu entdecken - z. B. ein Denkmal für Hermann Schulze-Delitzsch, dessen Genossenschaftsidee hochaktuell ist. Oder was es mit dem "Apfelbiss" auf sich hat... Aber schauen Sie selbst!

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Die kursiven Texte wurden den Infotafeln in der Stadt entnommen.

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